Beschreibung besonders schöner Mineralienstufen von St.Andreasberg
in der
alten Literatur in Verbindung mit Neufunden.
Seit jeher haben schöne Mineralstufen die Menschen fasziniert.Über
optisch schöne Mineral-
stufen sind die früheren Schriftsteller schon ins Schwärmen
geraten.
Natürlich gab es die schönsten Stufen während der Bergbauzeit
und hier wiederum in der
Anfangszeit des Bergbaues im 16.Jahrhundert, als die oberflächennahen
Bereiche, die
sogenannte Hutzone, abgebaut wurde. Leider sind aus dieser ersten
Zeit des Bergbaues
nicht allzuviel Stufen in den Sammlungen und Museen enthalten. Zu
dieser Zeit fehlte ein
Markt für diese Schönheiten und die schönsten Silberstufen und
Rotgültigerze wurden
eingeschmolzen, um Bargeld daraus zu prägen . Hin und wieder
wurde aber den damaligen
Landesherren, den Herzögen, schöne Stufen übermittelt, die
diese in ihr Kabinett oder
ihre Kunstkammer aufnahmen und ev. an andere Fürsten
verschenkten.
Ab ca. Ende des 16.Jahrhunderts, als es Käufer für schöne
Mineralstufen gab, haben auch
hin und wieder Bergleute versucht, mit allerhand Tricks Stufen
herauszuschmuggeln. Sie
durften sich aber nicht erwischen lassen, denn darauf standen
hohe Strafen.
Rudolph Leopold Honemann vermerkt in seinem 1754 herausgegebenen
Buch " Die
Alterthümer des Harzes", daß das Andreasberger Bergwerk
gegen die anderen Harz-
Bergstädte, noch jetzo die vorzügliche Eigenschaft behalten
hat, daß darauf allein die
reichhaltigste gediegene roth- u. weißgüldige Silbererze
brechen, und folglich dasselbe die
Schatzkammer der Seltenheiten des erzgebirgigen Harzes genannt
werden kann.
Die interessantesten Beschreibungen aus der Anfangszeit des
Andreasberger Bergbaues
hat der Pastor Johann Funke gegeben, der rd. 60 Jahre dort
gewirkt hat und somit die
Verhältnisse sehr gut kannte. Er hat daher aus eigener
Anschauung die Funde und den
Zustand der damaligen Gruben im Jahre 1617 beschrieben. Dieses
ist in dem von Henning
Calvör im Jahre 1765 herausgegeben Buch " Historische
Nachricht von den Unter- und
gesamten Ober-Harzischen Bergwerken" abgedruckt.
Lassen wir Funke mit seinen Worten auszugsweise anführen:
" Es hat sonderlich GOTT durch wunderbahren Segen dieses
Bergwerk gesegnet mit
mancherley schönen Arten von reichen Erz, die auf anderen fürnehmen
Bergstädten
unbekannt seyn, darüber sich sonst wolerfahrne Bergleute
verwundert, wenn sie alhier
gefahren, und die Erze gesehen, wie ich dasselbe selbst auf den
Zechen gesehen und gehöret habe,welches GOTT durch seine
Allmacht, wunderbahre Kraft und Operation unter der Erden
in Klüften und Gängen ziegelt, würket und schaffet, da er sein
Laboratorium hat, und
ein solches Feuer, welches alle ignes Alchimistarum artificiales
übertrifft. Etliches ist rein
und gediegen Silber, densum u. sine excoctione purum, das etliche
pflegen Baurenerz zu
nennen, darum, daß es so kenntlich ist und das man Haken darein
schneiden kann, wie in
einen Thaler. Man findet auch Stücklein in Drusen gediegen, die
ihre Knöpfe haben, als wenn sie ein Goldschmied gemachet und
poliert hätte. Auf St.Georgen habe ich gesehen, da ich
mit dem Schichtmeister Peter Göttinger dazumal gefahren, darüber
sich auch zu verwundern,
daß der Steiger eine Druse im Gange angetroffen, darin hat reich
Erz gestanden, weiß und
dünne, wie eine Buttermilch, das man daraus geschöpfet in ein
Glas, und als es in der Luft
getrocknet worden, war es wie Thon, keinem Metall ähnlich, wie
auch das weiße milde Erz,
und hielt doch der Centner über 100 Mark Silber, da denn, als
die reichen Ausbeuten
gegeben, in den Gruben vorm Ort, und auf etlichen Stossen rein
gediegen Silber und roth
gulden Erz sehr mächtig stund. Wenn man mit dem Grubenlichte
dazu fuhr, war es anzusehen
und leuchtete wie ein schöner durchsichtiger Rubin".
Aus den vorstehenden Worten ist ohne Zweifel der Beruf des
Schreibers als Pastor
zu erkennen. Bei dem genannten Buttermilcherz handelt es sich um
eine weltweit
seltene Art hoch silberhaltiger Flüssigkeit.
Funke erzählt weiter, wie er für einen Rector des Stiftes
Ilfeld ein Stüfchen gekauft
hat und zwar mit Zustimmung des Bergamtes. Die Stufe beschreibt
er wie folgt:
"Der Boden unten war braun, rein rothguldnes Erz, formiret
wie ein Bretlein, etwa
1 1/2 Finger breit, daraus war fein rein Silber, wie Ramenta 1 1/2
Glied hoch
gewachsen, wie ein schöner gezogener und ausgesottener
Silberdraht, so mit Lust
und Verwunderung anzusehen war. So findet man auch, wie ich auf
der Gnade
Gottes, und anderen Zechen gesehen, rein kentlich Silber
zusammengedrehet, und
gewachsen, wie ein Büschel Haar, das man Haarig-Silber nennet.
Auf der Hülfe
Gottes waren solche wunderbaren Gewächse von reichem Erz, das
schade, daß
solche schönen Stufen sind verschmelzet worden, die mannigen,
der sie gesehen,
dergestalt gefallen, daß er eine Lust gewonnen, Bergwerk mit zu
bauen."
Funke wollte damit sagen, daß der schöne Anblick Leute mit Geld
animieren sollte,
Kuxe an den Andreasbergischen Gruben zu erwerben.
Er beschreibt weiter, daß auf dem St. Jakob ein Handstein
gebrochen sei, für den
ein Jubilirer (Juwelier) aus Leipzig 500 Thaler geboten hat. Das
war damals sehr viel
Geld. Ein Kux von der Grube St.Georg kostete in den besten
Ausbeutezeiten damals
500 Thaler. Für 2 Kuxe hat ein Mansfeldischer Rath zu Eisleben
ein Gut zu Bernstedt erworben.
Eine weitere schöne Stufe beschreibt er:" Auf dem Neufang,
der auch etwas ansehn-
liches gethan durch GOTTES Segen mit Silber und Ausbeute, wann
daselbst der
Gang offen war oder drüsig, zog man heraus Handsteine oder
Kuchen von roth-
güldenem und reichen Erze zu 1/2 Centner, davon etliche Jahre
viel Silber gemacht,
und schöne Ausbeute berechnet worden. Auf dem Samuel habe ich
eine Stufe Erz
gesehen, das war ein rein Spat , oben formiret und zugespitzet
wie ein Tach. Auf einer
Seiten stund davon schön rothgüldenes, auf der andern Seiten
rein Silber,..."
Honemann führt in seinem Buch auch die diejenige Stufe an, für
die ein Juwelier aus
Leipzig 500 Taler geboten hatte. Er schreibt im Bezug auf diese
Stufe:
"Noch wichtiger war diejenige reiche Stuffe, welche im
Quartal Luciä 1728 auf
der Zeche St.Andreas über der 19.Strecke in taubem Spat von
ohngefähr ange-
troffen wurde. An derselben saßen auswendig herum dicke derbe
rothgüldige
Knospen, inwendig aber bestand sie aus lauter gediegenem Silber,
welches als
verrostetes Eisen aussahe, und allein, ohne das rothgüldige und
sonstige Erz auch
Bergart, 80 Pfund wog. Die ganze Stufe war mit allem Zubehör 99
Pfund schwer, und wurde
das gediegene Silber daran auf 1635 Thaler 20 Groschen, die völlige
Stufe hingegen auf
1672 Thaler wehrt geschätzet. Sie wird noch jetzo in Ihro Königlichen
Majestät
Kunstkammer, als eine grosse Seltenheit, aufbehalten."
Bekannt ist St.Andreasberg insbesondere durch die Pyrargyrit -und
Kalkspatstufen, die es
international hinsichtlich Schönheit, Vielfalt und Größe mit
jedem Fundort auf der Erde
aufnehmen können. Bei Mineralogen und Sammlern weltweit bekannt
ist St. Andreasberg
nochmals geworden, als der Bergbau schon in den letzten Zügen
lag (nach 1900) durch die
Entdeckung des neuen Minerals Samsonit durch Bergrat Werner. Es
handelt sich um ein
Silbermineral mit Mangan und Antimonit, welches nach der Grube
Samson benannt wurde.
Dieses Minaral ist weltweit noch nirgends wieder entdeckt worden.
Die schönsten Kalkspatstufen fanden sich in den Gängen Jakobsglück,
Samson und 5
Bücher Moses. Vom letztgenannten Gang hat von Trebra (Berghauptmann
und Freund
Goethes) einen phantastisch aussehenden Hohlraum, das sogenannte
Drusenloch wie
folgt beschrieben: " Dasselbe hatte eine Länge von 10 m,
eine Höhe von 80 cm. Auf der
Sohle befanden sich 30 bis 90 cm lange Massen von Kalkspath,
welche von 2,5 bis
5 cm langen Kristallen sechsseitigen Säulen und Pyramiden
desselben Minerals besetzt
waren.. Die Kalkspathmassen zeigten beim Zerschlagen
schmutziggraue bis ins Schwarze
verlaufende Streifen. Auch die Firste und die Seiten waren von ähnlichen
Bildungen bedeckt.
Im südlichen Teil der Druse war ein ca. 7,5 cm dicker, 3 m
langer und 1,60 m breiter
Boden der Druse eingeschaltet, welcher ohne Öffnungen den oberen
Theil von dem unteren
Theile trennte. Der Boden bestand aus mehreren übereinanderliegenden
Kalkspathschichten
und war mit 15 bis 25 cm langen Kriystallen besetzt; seine obere
Seite war völlig glatt
und zeigte nur wenige, niedrig hervorstehende Krystalle; dagegen
ragten nach unten die
längeren Krystalle heraus. Außerdem fanden sich mehrere
kleinere Nebendrusen, wovon die
größte 50x160 cm groß war. Die Form der Krystalle war meist
sechseitige Pyramiden mit
dreiflächiger Zuspitzung, auch dreiseitige Pyramiden fanden
sich; dier ersteren fanden sich
auf der Sohle, die letzteren an wenigen Stellen der Firste und
die sechsseitigen Säulen in
der Firste des oberen Drusengewölbes über dem Kalspathboden.
Die meisten Krystalle
waren durchscheinend, gewöhnlich weiß, bisweilen aber rosen-
bis pfirsichblüthroth.
Nach dieser Beschreibung kann man sich schon ein Bild machen.
Interessant ist noch die Beschreibung eines Fundes, der gemacht
wurde, als die Schließung
der Bergwerke schon in Erwägung gezogen wurde. So beschreibt
Albert Humm im
Allgemeinen Harz-Bergkalender 1985 diesen Fund, der nach
Aufschreibungen des
Bergmannes Eduard Seiffert im März 1899 nochmals Hoffnung auf größere
Erzanbrüche
und damit Verlängerung des Bergbaues gegeben hat.
".... Von einer Schicht zur anderen wurden die Erze mächtiger.
Anfang April waren sie
55 bis 60 cm mächtig geworden und strichen von der Sohle bis zur
Firste. Alle Bergleute
hatten die Hoffnung, daß der Betrieb noch für lange Jahre
gesichert sei."
Damals war es aber nicht erlaubt, auf Silber Sprenglöcher zu
bohren. In der Mitte des Ortes
blieb deshalb eine lästige Rippe stehen, und um diese zu
beseitigen, bekamen wir die
Erlaubnis, ein Loch auf das Silber zu bohren, den Bohrdreck sorgfältig
zu sammeln und mit
nach draußen zu bringen. Mittags 11 Uhr schossen wir. Unser
Obersteiger kam noch einmal
vor Ort, und nun ging es, als der schlimmste Rauch verzogen war,
hin, den Anbruch zu sehen.
Wir sahen dann ein Erzstück, welches 150 Pfund wog. Nachdem wir
das Nebengestein ab-
geschlagen hatten, wurde es in der Tonne zu Tage geschafft. Es
war reines Silber und wog
116 Pfund. An der Stelle, wo die Bohrlöcher gespregt waren, war
nun eine Öffnung in der
Sohle. Beim Hineinleuchten mit dem Grubenlicht sahen wir tausende
von Lichterflammen- es
war ein Drusenraum. Wir erweiterten diese Öffnung soviel, daß
der Kopf hindurchging.
Doch welch ein Anblick von unzähligen Flammen, die sich in den
geschliffenen Flächen
der Drusen widerspiegelten.
Als diese Stelle erweitert war, kamen auch unsere Vorgesetzten,
Obersteiger Ey und
Inspektor Ehring. Sie waren überwältigt und konnten ihre
Verwunderung kaum zum
Ausdruck bringen. Alle Drusen waren reich an Silber und Rotgüldig-Erz.
Spitzen von
12 cm Länge zierten die Stücke, als ob sie von einem
Kunstschleifer geschliffen wären.
Einzelne Stücke in der größe einer Hand wurden mit 500,00 Mark
bezahlt. Auch Haarsilber
wurde gefunden. Das meiste Silber kam nicht zur Andeasberger Hütte,
sondern wurde
in Eisenkisten verpackt, verschlossen, und nach der Lautenthaler
Hütte verbracht".
Wieviele Bergleute mögen in der 400 Jahre dauernden
Bergbaugeschichte von St.
Andreasberg solche herrlichen Anblicke genossen haben?
Diese vorstehend beschriebenen Funde gehören natürlich der
Vergangenheit an.Jedoch
konnten in den letzten Jahren mit Glück und Ausdauer noch gute
Funde im MM-
Bereich auf den alten Halden gemacht werden.
Als sensationell ist es zu bezeichnen, daß aus dem
Buttermilchbereich nach über
400 Jahren noch Funde von Hornsilber in hornigen Aggregaten sowie
Chlorar-
gyrit in Würfelform und Würfelverwachsungen gemacht werden
konnten.
Der Chlorargyrit (AgCl) ist mit rd. 75%Silbergehalt eines der
reichsten Silbererze überhaupt undkommt zusammen mit Pyrargyrit
und ged.Silber auf Quarz, Kalkspat oder seltener auf Tonschiefer
vor.
Das hornige und biegsame Material, welches in größeren Massen
auch gut mit dem Messer zu
schneiden war,
hat sicherlich die alten Bergleute veranlaßt, dieses mit dem
Namen Hornsilber zu
belegen. Auf den mit Chlorargyrit besetzten neu gefundenen Stücken
sind oft pulverige
bläuliche Belege enthalten, das sogenannte "thonige Hornerz",
die an folgende Ausführungen
Honemanns erinnern:
"Auf der Zeche Theuerdank zu Andreasberg fiel auch ein
solches mildes Erz vor,
daß es mit Händen zerrieben und zusammengeballet werden konnte;
in der Grube
war es weiß von Farbe, wenn es aber an die Luft kam, blau und
milde, wie
Thon oder Letten." Hieraus kann geschlossen werden, daß die
Neufunde
aus der Buttermilchzone stammen.
Ausführlicher mit dem Chlorargyrit haben sich auch Grundmann,G.
u.a. in einem Artikel in Lapis Heft 7/8 in 1989 im Zusammenhang
mit dem "Silbersand aus St.Andreasberg" befaßt. Hier
haben die v.g. Autoren sich auf die Arbeit von A. v.Groddeck aus
dem Jahre 1869 gestützt.Von Groddeck hatte angeführt, daß der
Silbersand aus Körnern von 1-2, höchstens 3 mm bestand.Der Sand
wies folgende Mineralien auf:
1)Gediegenes Silber in vier verschiedenen Ausbildungsweisen
2)Schwefelgelbes amorphes unbestimmtes Mineral
3)Hornsilber (Kerargyrit)
4)Kalkspat
5)Quarz
Unter den 4 verschiedenen Ausbildungsweisen des Silbers befanden
sich auch Silberkristalle.
Es wurde von Groddeck angeführt, daß Silberkristalle in St.
Andreasberg bis dahin noch nicht vorgekommen seien und in der
Clausthaler bergakademischen Sammlung das gediegene Silber nur in
blech-, draht-und moosförmigen Gestalten vorhanden sei.
Da auf den alten Halden, wenn auch sehr selten, in den letzten
Jahren noch Silberkristalle, auch auf Quarz aufgewachsen,
gefunden wurden, muß davon ausgegangen werden, daß diese früher
wegen der Kleinheit wahrscheinlich übersehen wurden. Die in
letzter Zeit gefundenen Kristalle waren bis 0,5 mm groß.
Nach alledem erscheint es nicht unwahrscheinlich, daß der
Silbersand, der ca.115 m unter Tage des Jakobsglücker Ganges
gefunden wurde, durch Auslaugungen und chemische Vorgänge aus
der Buttermilchzone, die weitgehend sich im Hutbereich befand,
entstanden ist
Aber auch noch andere schöne Mineralien konnten gefunden werden.
So der
Huntilith (Arsensilber) oder Mimetesit, der in der Literatur von
hier als selten
bezeichnet wird und zwar in bis 3 mm großen hexagonalen Säulen,
als auch
in gerundeten Kristallen, die auf Kampylit hindeuten, der aber
von dort noch nicht
beschrieben ist, wohl aber phosphorhaltiger Mimetesit.
(Veröffentlicht im "Aufschluss" März/April 1997)